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Wenn du Claude regelmäßig größere PDFs gibst und dich wunderst, warum dein Kontingent so schnell weg ist, dann liegt das oft genau an diesen PDFs. Sie kosten viel mehr Tokens, als die meisten denken, und du kannst den größten Teil davon sparen, indem du das PDF vorher in sauberes Markdown umwandelst. Hier ist der genaue Weg, mit dem Tool zum Selbermachen und einer ehrlichen Einordnung, wann sich das wirklich lohnt und wann nicht.
Warum ein PDF bei Claude so teuer ist#
Das Überraschende zuerst. Claude liest ein PDF nicht einfach als Text. Laut der Anthropic-Doku wird jede Seite zusätzlich in ein Bild umgewandelt, und dieses Bild geht zusammen mit dem extrahierten Text ins Modell. Du bezahlst also pro Seite doppelt, einmal für den Text und einmal für das Bild der Seite.
Praktisch bedeutet das grob 1.500 bis 3.000 Tokens für den Text einer normalen Seite, plus die Bild-Tokens obendrauf. Unterm Strich landest du oft bei rund 3.000 bis 5.000 Tokens pro Seite. Der reine Inhalt, also nur die Wörter als Markdown, wäre nur ein Bruchteil davon.
Der Grund für den Aufwand ist eigentlich gut gemeint. Claude soll auch Tabellen, Diagramme und das Layout einer Seite verstehen können, und dafür braucht das Modell das Bild. Nur zahlst du diesen Aufwand jedes Mal, auch wenn dich am Ende nur der nackte Text interessiert.
Was das in Tokens heißt#
Damit du ein Gefühl für die Größenordnung bekommst, hier eine grobe Rechnung. Das sind Schätzungen, keine exakten Werte, weil die genauen Bild-Tokens vom Layout der Seite abhängen. Aber die Richtung stimmt.
| Umfang | als PDF | als Markdown | Faktor |
|---|---|---|---|
| 1 Seite | ~3.500 | ~700 | ~5x |
| 10 Seiten | ~35.000 | ~7.000 | ~5x |
| 50 Seiten | ~175.000 | ~35.000 | ~5x |
Ein PDF mit 50 Seiten kommt also schnell auf rund 175.000 Tokens. Bei einem Modell mit 200.000-Token-Kontextfenster füllt das fast das ganze Fenster auf einmal, und für deinen Plan ist es ein ordentlicher Brocken aus dem Nutzungsblock. Anthropic begrenzt PDFs außerdem auf 100 Seiten pro Anfrage für die Modelle mit 200.000-Token-Fenster, längere Dokumente musst du also ohnehin aufteilen.
Wichtig zur Einordnung. Die genauen Token-Budgets der Bezahlpläne veröffentlicht Anthropic nicht offen, deshalb sind die Zahlen oben bewusst als Größenordnung gehalten und nicht als feste Wahrheit. Die Größen, auf denen die Rechnung steht, sind dagegen belegt. Anthropic schreibt selbst, dass jede Seite zusätzlich als Bild ins Modell geht und dass der Text einer Seite grob 1.500 bis 3.000 Tokens kostet. Der Faktor von etwa drei bis fünf zwischen PDF und Markdown folgt direkt daraus, weil bei der Markdown-Version genau das teure Seiten-Bild wegfällt.
Der Fix: PDF vorher in Markdown umwandeln#
Die Idee ist einfach. Statt das PDF direkt hochzuladen, wandelst du es vorher lokal in sauberes Markdown um und gibst Claude nur diesen Text. Das Bild-Doppel fällt weg, und du landest ungefähr bei dem Faktor aus der Tabelle.
Das beste kostenlose Werkzeug dafür ist MarkItDown von Microsoft. Es ist Open Source, die Lizenz ist MIT, und das Projekt hat auf GitHub sehr viele Sterne, ist also kein Bastelprojekt, sondern wird breit genutzt. MarkItDown wandelt nicht nur PDF um, sondern auch Word, Excel, PowerPoint und sogar YouTube-Transkripte in Markdown. Es ist leichtgewichtig und schnell und damit ideal für saubere, text-lastige PDFs.
Schritt 1 · MarkItDown installieren#
MarkItDown läuft über Python. Wenn du Python auf dem Rechner hast, installierst du es mit einem Befehl im Terminal:
pip install markitdown
Falls du noch nie etwas über das Terminal installiert hast, kannst du genau diesen Schritt auch Claude Cowork überlassen. Sag einfach, dass Claude MarkItDown für dich einrichten soll, und lass dir die Befehle erklären, bevor sie laufen.
Schritt 2 · Das PDF umwandeln#
Jetzt zeigst du MarkItDown auf deine Datei. Ein Befehl reicht:
markitdown dokument.pdf > dokument.md
Du bekommst eine neue Datei dokument.md. Das ist dein PDF als reiner Markdown-Text, ohne die teuren Seiten-Bilder, mit Überschriften und Listen so weit wie möglich erhalten.
Schritt 3 · Das Markdown an Claude geben#
Statt das PDF hochzuladen, ziehst du jetzt die .md-Datei in Claude rein oder kopierst den Text direkt in den Chat. Ab hier arbeitest du genau wie sonst, nur eben mit einem Bruchteil der Tokens.
Fass dieses Dokument in 5 Punkten plus den 3 wichtigsten
Zahlen zusammen.
Du merkst den Unterschied vor allem dann, wenn du dasselbe Dokument mehrfach befragst. Jede neue Frage zieht wieder den ganzen Kontext, und genau da rechnet sich das Markdown richtig.
Die Profi-Variante: ein MCP-Server, der automatisch umwandelt#
Wenn du das nicht jedes Mal von Hand machen willst, gibt es von MarkItDown auch einen MCP-Server. Der hängt sich an Claude an und übernimmt die Umwandlung im Hintergrund, sobald du eine Datei reingibst. Du lädst also ganz normal dein PDF hoch, und der MCP-Server macht im Hintergrund das Markdown daraus, bevor es bei Claude landet.
Das ist die bequemste Lösung für alle, die oft mit Dokumenten arbeiten, weil du dann den Umweg über das Terminal gar nicht mehr brauchst. Wenn du wissen willst, wie man MCP-Server grundsätzlich an Claude anbindet, hilft dir der Skill-Guide hier auf der Seite als Einstieg weiter, das Prinzip ist dasselbe.
Eine starke Alternative für schwierige PDFs: Marker#
MarkItDown ist super für saubere Dokumente. Wenn deine PDFs aber viele Tabellen, komplexe Layouts oder eingescannte Seiten haben, ist Marker oft die bessere Wahl. Marker kommt aus dem Datalab-Projekt, hat ebenfalls sehr viele Sterne auf GitHub und liefert bei kniffligen Layouts deutlich genaueres Markdown, dafür ist es etwas schwergewichtiger. Der Befehl ist genauso einfach:
marker_single dokument.pdf
Ein Hinweis zur Lizenz, falls du das geschäftlich nutzt. Marker steht unter GPL-3.0, MarkItDown unter dem freundlicheren MIT. Für den privaten Gebrauch ist beides völlig in Ordnung, bei kommerziellem Einsatz lohnt der kurze Blick auf die Lizenz.
Wann sich das wirklich lohnt, und wann nicht#
Ich will dir hier keinen Hype verkaufen. Der Trick ist gut, aber er passt nicht für jede Situation. Hier die ehrliche Einordnung.
Es lohnt sich klar, wenn du viele oder große text-lastige PDFs hast, wenn du dein Nutzungs-Limit schonen willst oder wenn du dasselbe Dokument immer wieder befragst. In diesen Fällen sparst du jedes Mal richtig Tokens.
Es lohnt sich dagegen kaum, wenn es um ein einzelnes kurzes PDF geht. Bei drei oder fünf Seiten ist der Aufwand mit dem Umwandeln größer als die Ersparnis, da ziehst du die Datei einfach direkt rein.
Und es gibt einen echten Haken, den du kennen solltest. Beim Umwandeln in Markdown verlierst du das genaue Layout, und vor allem gehen Diagramme und Bilder verloren. Wenn deine Frage genau auf eine Grafik oder ein Diagramm zielt, dann bleib beim PDF, denn nur da sieht Claude das Bild. Markdown ist die richtige Wahl für Inhalt in Worten, nicht für alles, was visuell ist.
Pro-Tipp#
Mach dir eine kleine Routine daraus. Lege dir einen Ordner an, in dem große PDFs landen, und lass MarkItDown alle auf einmal umwandeln, bevor du mit der Arbeit anfängst. Dann hast du immer die leichte Markdown-Version griffbereit und musst im Eifer des Gefechts nicht überlegen, ob du gerade Tokens verbrennst.
Unterm Strich ist das einer dieser kleinen Kniffe, die im Alltag viel ausmachen, sobald du Claude ernsthaft mit Dokumenten nutzt. Du gibst dem Modell genau das, was es wirklich braucht, nämlich den Inhalt, und nicht den teuren Umweg über das Bild jeder einzelnen Seite.